Fahrradtour Salzburg - Grado - Treviso - Bozen - Ulm

2014

 


Hallo liebe Radlerfreunde, nach drei Jahren und der letzten großen Tour durch England, siehe Edinburgh-London 2011, wollte ich mal wieder eine große Tour unternehmen. Die diesjährige Tour dauerte vom 14. August bis zum 31. August 2014. Die reine Fahrzeit betrug 14 Tage. Die Gesamtstrecke belief sich auf rund 1.200 km.
Die Anregung kam wie schon so oft über das Internet, speziell die Seite http://www.alpe-adria-radweg.com/, die den Radweg von Salzburg nach Grado an bzw. in der Adria beschreibt. Ich habe den Tourenvorschlag allerdings variiert, indem ich nicht durch  sondern  ü b e r  das Tauerngebirge gefahren bin und zurück fast bis nach Hause, in diesem Fall Ulm, gefahren bin.
2017 habe ich die Tour
mit Komoot, einem Navigationssystem für Wanderer und Fahrradfahrer, welches ich seit 2015 einsetze, nachgeplant und so kann man sich die Teilstrecken Salzburg - Grado und Trevisio - Ulm durch Anklicken ansehen. Die gefahrenen Kilometer weichen von den Plankilometern ab, da kleine Zusatzstücke und Irrwege im Plan nicht enthalten sind.
Ich räume hier gerne ein, dass ich mir schon letztes Jahr technische Unterstützung besorgt habe. Vor zwei Jahren hatte ich spontan einen Urlaub im Thüringer Wald gebucht und zwar 14 Tage Halbpension mit Pedelecnutzung. Das war ein "Fehler", denn ich bin 14 Tage durch kreuz und quer durch den auch nicht gerade flachen Thüringer Wald geradelt und anschließend kreisten meine Gedanken ein Jahr lang um das Thema Pedelec. Man ist speziell als Mann ja schon etwas eitel und zögert, ob man denn schon auf so ein "Oparad" umsteigen soll oder lieber noch wartet. Letztlich habe ich nach einigen Testfahrten mit Serienpedelecs und einer Testfahrt und Beratung durch das Weinheimer Unternehmen Senglar mein vorhandenes Fahrrad umgebaut und mit einem Hinterradmotor versehen.

Respekt vor den sportlichen, älteren Radlern. Ich lasse es mit 59 etwas gemütlicher angehen.

Wer Interesse an meinen anderen, ins Netz gestellten Touren hat, einfach zum Ende der Seite scrollen
 

Vorbemerkung

Wie immer hatte ich mit Ausnahme der Unterkunft in Salzburg keine Unterkünfte vorgebucht, da ich meine Reiseetappen zwar grob vorplane, letztlich aber immer die Freiheit genieße, an einem Tag so weit und so lange zu radeln wie ich lustig bin oder auch mal gar nicht. Das Wetter war dieses Jahr etwas durchwachsen. Italien habe ich im August noch nie so grün gesehen. Zum Fahrradfahren waren die Temperaturen ideal. Am Ende jeder Tagestour findet man einen kurzen Wetterhinweis.
Die Klammerangaben hinter den Ortsnamen sind Höhenmeter.

 

1. Tag: Anreise nach Salzburg und Besichtigungen in und um Salzburg  30 km  

Mit der Bahn ging es von Göppingen nach Salzburg. Da die Rezeption in der zentral gelegenen Juhe in der Haunspergstraße erst wieder um 16 Uhr offen hatte, ich aber schon um 13.00 Uhr angekommen war, unternahm ich eine erste Tour durch Salzburg mit dem Rad. Hierbei stolperte ich über das Salzburger Marionettentheater, das am frühen Abend das Musical "The Sound of Music" im Programm hatte. Als alter Fan der Augsburger Puppenkiste habe ich mir sofort eine Karte gekauft. Den Rest des angebrochenen Nachmittags verbrachte ich im Schlosspark Hellbrunn, einige Kilometer außerhalb Salzburgs. Dort hat sich einer der Salzburger Fürsterzbischöfe im frühen 17. Jahrhundert ein Lustschloss mit allerlei kunstvollen und neckischen Wasserfontänen bauen lassen. Etliche der versteckten Fontänen hatten den einzigen Zweck, die damaligen - und heutigen - Gäste ein wenig unverhofft zu durchnässen. Im Parkt selbst gibt es dann Miniaturlandschaften mit kleinen, wasserbetriebenen  Modellen zu sehen.

Anschließend war schnelles Einchecken in der JuHe angesagt, da das Musical im Marionettentheater anstand.
Die JuHe selbst hatte einen eher einfachen Standard. Um einmal zu günstig zu übernachten und zu frühstücken reichte es. Meine Zimmerkollegen haben nicht geschnarcht und waren umgänglich.
Die Marionettenaufführung war fantastisch gespielt. Es wurden bis zu 9 Marionetten parallel geführt, Hochachtung!
Das Musical selbst hat einen historischen Kern. Eine Offiziersfamile Trapp mit vielen Kindern gab es in den Dreißigern des vorigen Jahrhunderts tatsächlich. Der Witwer hatte auch tatsächlich sein Kindermädchen geheiratet, emigrierte nach dem Anschluss Österreichs in die USA und trat dort mit der Familie als  "
T
rapp Family Singers" auf. Nach dem Musical, es war ja noch früher Abend, ging es dann noch hoch zur Festung Hohensalzburg mit einem tollen Blick auf die Stadt.
Das Wetter an diesem Tag war wolkig bis heiter.

                 Wasserspiele Hellbrunn

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              Salzburg

2. Tag: Salzburg-Radstadt 100 km

Am nächsten Tag ging´s dann los Richtung Grado. Der Radweg Alpe-Adria ist in Österreich noch nicht als solcher ausgeschildert. Vielmehr verlässt man Salzburg flussaufwärts und zwar linksseitig der Salzach und folgt nun immer den Wegweisern des Tauernradwegs. Empfehlenswert, wenn auch nicht mehr ganz aktuell ist die App, die man sich von der Webseite http://www.alpe-adria-radweg.com/ herunterladen kann, da dort die Etappen, soweit man Ihnen folgt,  recht anschaulich beschrieben werden. Es geht bis Golling (476) ohne nennenswerte Steigungen fast immer am Fluss entlang. In Golling habe ich mich gewundert, weshalb der dortige Supermarkt geschlossen hatte.
Nun es war Maria Himmelfahrt, in Österreich ein Feiertag. Nach einer Kaffeepause im recht hübschen Ortskern mit Burg ging es weiter und zwar auf der Bundesstraße hoch zum Pass Lueg (552). Die Salzach klemmt sich durch eine Klamm neben dem Pass vorbei und wer will, kann die Klamm besichtigen.

 

Nach wenigen Kilometern auf der Bundesstraße kam ein touristisches Highlight, nämlich die Burg Hohenwerfen.
Man sieht sie auch von der Tauernautobahn aus, fährt dann aber gezwungenermaßen immer vorbei. Ich sperrte mein Gepäck im Schließfach der Talstation der zur Burg hinaufführenden Standseilbahn weg und buchte die Fahrt mit Besichtigung.

Die Burg wurde in den Jahren 1075 bis 1078 von Erzbischof Gebhard von Salzburg in Auftrag gegeben.
Der ursprüngliche Bau war deutlich schlichter und ihre heutige Form erhielt sie erst später. Die Anlage ist echt sehenswert. Die Führerin hatte angesichts vieler Eltern mit quengelnder Kindern in entsprechender Lautstärke (wohlgemerkt nix gegen die Kinder, ich habe selbst drei großgezogen, habe aber mit 1-2-jährigen keine Burgbesichtigungen gemacht) Nerven wie Drahtseile, aber das meiste hat man verstanden. Der Blick von der Burg ins Salzachtal bzw. aufs umliegende Tennengebirge ist auch nicht schlecht.



                  
       Burg Hohenwerfen
 

Der Radweg geht nach Werfen dann wieder von der Straße auf eine eigene Trasse zurück und in der Regel am Fluss entlang. An diesem Tag schaffte ich es dann das erste Mal, mich trotz Karte zu verfahren. Nachdem ich in Bischofshofen (544) noch ein verspätetes Mittagessen eingenommen hatte, fuhr ich noch einige Kilometer weiter und irgendwie kam mir die Sache spanisch vor, da meinem Gefühl nach eigentlich eine Abzweigung vom Tauernradweg nach links bzw. Osten bzw. nach Radstadt hätte kommen müssen. Es hätte schon gereicht, wenn ich wenigstens bei meiner Mittagspause mal auf die Karte geguckt hätte. So drehte ich also um, fuhr nach ca. zwei Kilometern nochmal an Bischofshofen vorbei und fand dann tatsächlich die Abzweigung, nämlich ein kaum erkennbares Schildchen mit dem Hinweis "Übergang zum Ennsradweg" sowie zwei kleineren Ortsnamen an der Strecke nach Radstadt.

Liebe Österreicher: Schreibt auf das Schild, das gerne auch etwas größer sein kann, doch einfach "Radstadt".
(Dann finden es auch Radfahrer ohne GPS, so wie ich)

Jedenfalls fährt man dann durch das sehr schöne Fritzbachtal auf einer vielleicht auch nur wegen des Feiertags nicht sehr befahrenen Bundesstraße 99 langsam, aber stetig ansteigend bis zum höchsten Punkt kurz vor dem Ort Eben (862). (Schöner Name für ein Dorf auf einer Passhöhe!)
Von da an ging´s bergab, zunächst auf der Straße und dann auf dem Ennsradweg am dort noch kleinen Flüßchen Enns bis Radstadt (829, Tal oder 858, Altstadt).
Auf den letzten Höhenmetern von der Enns hoch zur Altstadt von Radstadt verabschiedete sich doch dann tatsächlich mein Akku, sodass ich noch einige Meter bergauf wie in alten Zeiten strampeln musste. (Muss ich mit Strom auch, geht aber leichter! :-) ). In Radstadt fand ich eine preiswerte Unterkunft im dortigen Gasthof Löcker. Die Küche war prima und ein nettes Gespräch mit einem italienischen Ehepaar gab´s beim Abendessen gratis dazu.

Das Wetter am diesem Tag war überwiegend bewölkt, bei Werfen und Bischofshofen wollte es mal kurz regnen, hat es sich dann aber anders überlegt und kurz vor Eben kam doch tatsächlich noch die Abendsonne raus.

 

3. Tag: Radstadt -Tauernpass - Tamsweg 64 km  

Am nächsten Tag wurde es dann ernst, denn der Tauernpass war angesagt. Zu diesem Zweck verlässt man Radstadt Richtung Tauernpass und findet am Ortsende mit etwas Glück den Radweg, der bis Untertauern sehr idyllisch weitgehend entlang der Taurach führt. In Untertauern endet der Radweg in einem Freizeit- und Wildpark, in dem man gegen eine Gebühr seine Angel in einen mit Forellen vollgefüllten Teich halten kann und eine Forelle nach der anderen aus dem Teich zieht.
Hier hatte ich dann ein besonderes Erlebnis. Meine Frage an eine Bedienung der dortigen Gaststätte ergab, dass ich nach der unmittelbar anstehenden Taurachschlucht, durch die nur die Bundesstraße hindurchführt, rechts abbiegen könne und dann über mehrere Almen den Pass erreichen könne.

Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob die Lady mich als "Piefke" veralbern wollte oder nur grob fahrlässig Unsinn erzählt hat?

Nach der Durchquerung der Schlucht ging es tatsächlich rechts ab zu einer ersten Alm mit Gaststätte und danach zu einer weiteren Alm. Ich also  munter drauflosgeradelt. Weiter oben am Berghang wurde der Weg sehr geröllig und steil, sodass Schieben angesagt war. Zwei Mädels, die eine Kuh von einer Weide zu Tal trieben, erklärten mir, dass der Weg gleich zu Ende sei und sicher nicht zum Tauernpass führe. Dasselbe erzählt mir fünf Minuten später ein Waldarbeiter. Nun, ich blickte auf die auf der anderen Talseite verlaufende Bundesstraße zum Pass, höhenmäßig hatte ich diesen wohl fast erreicht, nur am verkehrten Hang und fuhr also wieder zurück zur Bundessstraße.

Tja, der Weg ist bei Radtouren das Ziel!

Jedenfalls beschloss ich, in der Almgaststätte kurz vor der Straße eine Mittagspause einzulegen, etwas Gutes zu essen und meinen Akku (und mich) etwas zu regenerieren.
Danach ging´s dann, diesmal auf der Bundesstraße, hoch zum Pass. Die Straße war, wohl weil Samstag, glücklicherweise nur wenig befahren und kurz nach dem Begrüßungsschild erreichte ich dann den Tauernpass bzw. Obertauern (1739).
 

Von nun an ging´s bis Mautendorf (1123) recht munter bergab. Mautendorf hat auch eine sehr sehenswerte Burg, die im Dritten Reich mal einem gewissen Herrn Göring gehörte, aber ich wollte mein Abendquartier in Tamsweg (1022) erreichen. Ab Mautendorf dürfte es auch wieder einen Radweg geben, den ich aufgrund des geringen Verkehrs und der späten Abendstunde allerdings keine Lust zu suchen hatte.

In Tamsweg bekam ich dann in der dortigen Jugendherberge ein Doppelzimmer mit eigener Dusche, WC für € 24,00 und aufgrund der späten Stunde kam auch keinen Mitschnarcher mehr ins Zimmer. Die JuHe ist ein Neubau und vom Feinsten! Kann man nur empfehlen. Tamsweg hat auch ein schönes Hallenbad mit Freibecken und so ließ ich den Abend dort ausklingen.

Ach ja das "Sommerwetter": Bewölkt, einmal, während meines falschen Passaufstiegs, hat es auch mal kurz geregnet.

 

4. Tag: Tamsweg - Pass ohne Namen - Millstadt  77 km  

Am nächsten Morgen begrüßte mich doch tatsächlich die Sonne und verließ mich auf den ganzen Tag nicht!

Da die Auffahrt zum Katschbergpass sehr steil ist und es sich um eine normal befahrene Straße, die B 95, handelt, hatte ich eine Alternativroute gesucht und gefunden, die echt schön war und über das Bundschuhbachtal zum "Pass ohne Namen" führt. Zu diesem Zweck sucht man in Tamsweg den Murradweg R 2 Richtung Murau, also flussabwärts und fährt auf diesem Weg ca. 5 km bis  Madling (972). Dort verlässt man den Radweg, überquert die Eisenbahn und fährt ein ganz kurzes Stück in den Ort, um sofort wieder nach links auf die L 225, die Landstraße nach Thomathal abzubiegen. Danach geht es nach nicht ganz 8 km nach dem Ort Gruben links ab auf die Straße Richtung Bundschuh. Hat man das geschafft, kann man sich nicht mehr verfahren. In Bundschuh selbst ist ein sehr sehr interessantes Hochofenmuseum, da in der dortigen Gegend früher Erz abgebaut und verhüttet wurde.

Weiter geht es idyllisch entlang des Bundschuhbachs hinauf auf eine Weidehochebene und schließlich erreicht man kurz vor dem "Pass ohne Namen" ein sehr gutes Almlokal, in dem ich zur Mittagspause eine ausgezeichnete, frische und gebratene Forelle genossen habe. Nebenbei lud ich meinen Akku nach, obwohl das wohl nicht mehr notwendig gewesen war. Aber: Sicher ist sicher! In dem Lokal, der
Dr.-J-Mehrl-Hütte
(1730 m) sagte mir man dann auch, dass die ca. 100 m nach der Hütte gelegene, höchste Passstelle keinen Namen habe, daher meine entsprechende Phantasiebezeichnung des Passes. Oben auf dem Pass begrüsst einen ein großes Wilkommensschild des Landes Kärtnen und von nun an ging es wieder einmal bergab, bis Krems mit Karacho aber letzlich bis Seeboden (618) am Nord-westende des Millstätter Sees. Dort sucht man sich den Seeradrundweg und so landete ich am frühen Nachmittag in Millstatt und fand dort eine Unterkunft im Hotel Nikolasch für ca. € 48,00. Das Hotel ist im charmanten (oder altmodischen?) Blümchen- und KuK-Stil eingerichtet und das Frühstücksbüffet ist hervorragend. Noch am Abend ging ich ins hoteleigene Seebad und genoss meinen ersten Badetag. Abends fand ich im Ort bzw. im See ein Lokal, welches als Glaspyramide gestaltet ist und auf einem größeren Ponton im See seine Terrasse hat, die Abends noch stimmungsvoll mit verschiedenen Feuerstellen beleuchtet wird.
So konnte ich am See bei einem guten Glas Wein und einen italienischen Antipastiteller den Sonnenuntergang genießen.


     Hochofenmuseum Bundschuh

 

5. Tag: Millstatt Besichtigung und Baden 0 km

Nachdem - vorübergehend - der Sommer ausgebrochen war, legte ich in Millstatt einen Kultur- und Badetag ein.

Unter Kultur ist die Besichtigung des ehemaligen Stifts zu verstehen, welches auch ein sehenswertes historisches und geologisches Museum beinhaltet. Gebadet wurde im großen Seefreibad. Am Abend gab es zum Ausklang ein Seeuferfest.

Das Wetter war sonnig und frühsommerlich warm.

 

 

 

                                                                                                                                                                                                                   Milstatt mit Stiftskirche und See           
                                                                                                                                                                                                                                 

6. Tag: Millstatt - Tarvisiopass - Pontebba 105 km                                                                                                                                                           

Am nächsten Tag ging es von Millstatt auf dem Seeradrundweg zunächst bis nach Döbriach (580). Dort sucht man die Landstraße nach Glanz und muss nun wohl oder übel aus dem Seekessel zunächst auf bis ca. 835 hm hochradeln, um dann auf der anderen Seite ins Tal der Drau hinabzufahren und bei Ferndorf (560) auf den Drauradweg Richtung Villach zu fahren.
Kurz vor Villach begann es zu regnen, sodass ich zunächst in einem großen Spar-Supermarkt in Villach eine Kaffee- und Regenpause einlegte. Leider wollte der Regen auch nach der Pause nicht aufhören, sodass ich auf eine Besichtigungstour durch Villach verzichtete, den Drauadweg am - flußaufwärts gesehen - linken Radufer wieder aufsuchte und ein ganzes Stück aus Villach hinaus bis zur sogenannten "Roten Friedensbrücke" fuhr. Dort überquert man die Drau fährt nun auf dem Karnischen Radwanderweg R 3 eine ganze Weile im Wesentlichen entlang der Gail weiter. Man fährt durch den flußnahen Auwald an Federnau vorbei und muß nun aufpassen, bis man auf das Radgasthaus „Gailstüberl“ trifft. Dort verlässt man den R3 und biegt links über eine Brücke über die Gail ab auf den R3C, den Tarviser Radweg. Weiter geht es nun durch diverse Dörfer, immer der brauchbaren Beschilderung folgend bis Arnoldstein (578).
Nachdem es immer noch regnete, legte ich in Arnoldstein eine verspätete Mittaqspause im dortigen
Hotel Wallner ein und genoss dort ein vorzügliches Wiener Backhendl mit Kartoffelsalat. Dazu gab es kein kühles Bier, sondern einen heißen Tee! Die freundliche Wirtin bot mir an, meine durchnässte Regenjacke im Wäschetrockner zu trocknen und meinen Akku konnte ich vorsichtshalber für die anstehende Passfahrt ebenfalls zwischenladen. Das war doch ein netter Service, gell?


Immerhin hatte es zu regnen aufgehört und so fuhr es sich doch deutlich angenehmer hoch zum ehemaligen Grenzübergang Tarvisio (668).
 

Dort heißt es aufpassen! Direkt nach dem Übergang und vor dem auf dem Bild erkennbaren, ockerfarbenen Gebäude im Hintergrund, beginnt rechts am Hang der Ciclovia Alpe Adria, der am Geländer des den Hang hinaufführenden Radwegs auch angeschrieben ist. Dieser Radweg befindet sich meistens auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse und führt, anders als noch in der offiziellen Webseite beschrieben, nicht nur bis Dogna sondern einige Kilometer weiter bis Resiutta.
Die Italiener haben da wirklich einen tollen Radweg angelegt. Die Landschaft, Alpen links, Alpen rechts, ist beeindruckend und immer wieder wird man daran erinnert, dass man auf einer ehemaligen Eisenbahnstrecke fährt. Man passiert ehemalige Bahnhöfe, Gleisübergänge oder auch Wasserfüllstationen für die ehemaligen Dampfloks.


 

In Pontebba (568) angekommen fand ich sogar eine eine Touristeninformation, die mir ein günstiges Hotel für € 24,00 vermittelten, nämlich das  Al Commercio. Das Zimmer war schlicht und sauber. Ich habe allerdings kalt geduscht. Meine vorherige Nachfrage, wo das warme Wasser sei, ergab, dass es dieses erst ab 7.30 Uhr gebe. Aufgrund meiner zugegebenermaßen bescheidenen Italienischkenntnisse war nicht ganz klar, ob 7.30 Uhr abends oder am morgens gemeint war. Egal, warmes Wasser gab es die ganze Zeit nicht, aber dafür war es günstig. Der Ort selbst hat eine sehr schöne Kirche und ein beeindruckendes Municipio, also Rathaus. Außerdem steht an der Brücke des durch den Ort führenden Flusses noch ein Grenzstein aus KuK-Zeiten mit der Aufschrift "Herzogtum Kärnten". Hier war bis 1918 bzw. 1919 nämlich die österreichisch-italieni-sche Grenze. Den Abend beendete ich in einer gemütlichen Pizzeria.

Ach ja das Wetter: Bis auf die oben erwähnte Dusche zwischen Villach und Arnoldstein war es heiter bis überwiegend wolkig.
 

                           

 

7. Tag: Pontebba - Udine 82 km

Am nächsten Morgen ging es weiter auf dem Radweg bzw. der ehemaligen Eisenbahnstrecke. Irgendwo auf der Restradwegstrecke bis Resiutto wollen Sie einen übrigens mal ganz wild nach links hoch ins Gebirge jagen. Es könnte bei Chiusaforte gewesen sein, so genau habe ich das nicht mehr in der Erinnerung. Wer will kann das gerne machen.
Ich als Genussradler bin einfach geradeaus gefahren. Jedenfalls ist in Resiutto endgültig Schluss mit der Eisenbahntrasse. Ab hier ist Improvisieren angesagt.
Bis Udine habe ich dann den Wegweiser des Ciclovia Alpe Adria auch nur noch höchst unregelmäßig gesehen, was sicher auch an meiner frei gewählten Streckenführung lag.

Diese sah wie folgt aus:

Zunächst auf die SS 13, die in der Regel eine Standspur hat und daher gut zu befahren ist. Hin und wieder habe ich einige hundert Meter SS 13 gespart, indem ich durch die parallel liegenden Dörfer gefahren bin. In jedem Fall darf man an Venzone (366) nicht vorbeifahren. Es handelt sich um eine idyllisches, kleines Städtchen mit fast vollständigem Mauerring und einer sehenswerten Alt- bzw. Innnenstadt. Man kann sich überhaupt nicht mehr vorstellen, dass dieser
Ort am 6. Mai 1976 nahezu komplett zerstört wurde, als um 20:59 Uhr ein Erdbeben 56 Sekunden lang Friaul erschütterte. Die Erdstöße erreichen eine Intensität von VIII bis IX auf der zwölfstufigen Mercalli-Skala. Damals gab es 47 Todesopfer. In den Arkaden des Municipios sind die Bilder von damals zu sehen. In Venzone verlässt man die SS 13 und fährt über eine  Brücke über den Taglaiamento nach Pioverno.
Man befindet sich dann auf sehr ruhigen Nebensträßchen und fährt via Bordano, Trasaghis, Buia, Coloredo und Pagnacco schließlich nach Udine (138).

In der dortigen Touristeninformation besorgte ich mir dann ein Zimmer im Hotel Friuli für ca. € 65,00. Das war etwas im oberen Preisbereich, dafür war das Frühstück nicht so italienisch, sprich nicht nur dolce und die Lage des Hotels immer
noch zentral genug, um mit dem Fahrrad in 5 Minuten im Zentrum der Altstadt zu sein.
Interessant auch, das auch Hotels dieser Preisklasse inzwischen auf Radler eingestellt sind. Es gab einen abschließbaren Fahrradraum mit etwas Werkzeug und Druckluft.

Nach der üblichen Frischedusche ging es dann zunächst auf die Burg und anschließend in die Altstadt. Udine ist wie viele oberitalienischen Städte eine ehemals venezianische Stadt mit prachtvollen Bauten und vielen Piazze. An einem dieser Piazze ließ ich mich dann sowohl zu einem Café als auch abends zu einem Salat Cesar mit einem Wein nieder. Der Salat hatte allerdings deutliches Touristenniveau und dauerte auch ewig. Da gleichzeitig wenige Meter um die Ecke ein Straßenfest stattfand, war viel Trubel und vita italiana in der Stadt.
 

 

 

 

 

 


 



                  Udine  Piazza Liberta                                                                                                                                                                      Udine Piazza San Giacomo


Ach ja, das Wetter: Heiter bis wolkig, kurz vor Buja hat es dann doch wieder mal für ca. 20 Minuten geregnet. Abends gab es dann, während ich an der Piazza San Giocomo saß, noch ein Gewitter.


8. Tag:  Udine - Grado 65 km

Am nächsten Morgen war es das Hauptproblem, den richtigen Weg aus der Stadt raus zu finden, also die Straße nach Pradamano. Wenn man wie ich ohne GPS fährt, sucht man zu diesem Zweck zunächst auf der Ringstraße die Wegweiser zum Hauptbahnhof, also "Stazione" und trifft dann auf die stadtauswärts führende Viale Palmanova. Dieser folgt man bis zu einem großen Kreisverkehr, von dem aus man dann nach Pradamo abbiegt. Alternativ kann man nach dem Hauptbahnhof auch die Abzweigung zur Via Pradamo suchen, um dann über die Via Buttrio ebenfalls in Pradamo zu landen. Von dort geht es über gemütliche Nebensträßchen weiter über Pavia di Udine, Percolo und Trivignano nach Palmanova (27). Dieser Ort ist wieder echt sehenswert. Es handelt sich um eine Festungsstadt mit radialer Straßenanalage und einem 9-strahligen Festungsstern. Durch einem Teil des Wallgrabens radelte ich entlang, bevor ich durch eines der erhaltenen Festungstore fuhr und auf dem imposanten, zentralen Piazza Grande ankam um dort ein Cappucinopäuschen einzulegen.

                       

                     Palmanovoa Wallanlage                                                     Palmanova Stadtplan                                                   Palmanova Piazza Grande


Um den weiteren Radweg Richtung Grado zu finden, muß man etwas aufpassen, da die Beschilderung aus der Stadt raus irreführend ist. Zunächst verlässt man die Stadt durch die Porta di Aquileia und hält sich dort auf der Hauptstraße geradeaus und orientiert sich leicht links. Dann taucht tatsächlich wie aus dem Nichts der Wegweiser des Ciclovia Alpe Adria auf, dem man nun getrost folgen kann. Es geht etwas kreuz und quer durch die Felder, aber einfach auf der Strecke bleiben und man kommt dann tat- sächlich in Cervignano an. Diese Stadt war nicht so beeindruckend und weil ich auch nach einigem Suchen kein passendes Ristorante zum Mittagessen fand, fuhr ich weiter Richtung Grado. Wenige Kilometer nach Cervignano wird der Radweg dann wieder auf einer eigenen Trasse geführt. Hierbei kommt man an Aquiliea vorbei und sollte nicht versäumen, die Ruinen und Reste der Hafenanlagen dieses ehemaligen, römischen Hafenstadt, die etwas landeinwärts lag, anzuschauen. Bevor die Radtrasse dann auf dem nach Grado führenden Damm weiterläuft, fand ich rechterhand dann doch noch ein ausgezeichnetes Ristorante, in dem ich ein leckeres Nudelgericht mit Meeresfrüchten verspeiste. Anschließend geht es auf den Damm, der die Insel Grado mit dem Festland verbindet, also links Lagune, rechts Lagune und und im Hinter-grund Grado (2).

In Grado fand mit Hilfe einer freundlichen Lady der Touristeninformation am Hafen im Hotel Milano für € 50,00 pro Nacht ein ordentliches Zimmer im Stadtzentrum. Da den ganzen Tag die Sonne geschienen hatte, wagte ich es und buchte für zwei Tage. Abends ging es dann noch an den Strand und zu einem Bummel durch die Gassen der Stadt.
 

 



                   
                 Aquileia Forum romanum


 

9. Tag:  Grado Besichtigung und Baden 0 km

An diesem Tag war am Vormittag Sightseeing und am Nachmittag Baden angesagt. Außerdem stellte ich fest, dass ausgerechnet der Standardgang meins Fahrrads, der siebte, nicht mehr richtig einrastete. Glücklicherweise waren um die Ecke des Hotels am alten Hafen gleich zwei Fahrradgeschäfte. Eines hatte auf und man hat mir dort auch innerhalb einer Stunde und preisgünstig geholfen. Die Kette hatte sich offenbar nun doch zu sehr gelängt und wurde entsprechend verkürzt.

Grado selbst ist römischen bzw. noch älteren Urprungs und hat zur Römerzeiten mit einem Castell die Zufahrt zur Hafenstadt Aquiliea geschützt. Mitten in der Stadt ist der freigelegte Boden einer Basilika zu sehen. Auch eine sehenswerte Altstadt mit Kirche kann besichtigt werde. Ansonsten ist Grado der typischer Adriabadeort, also Unmengen von Hotels, Restaurants und den üblichen Geschäften mit Touristenschnick- schnack. Nach einigen Tagen Radelns durch die schöne Natur war aber auch diese Stadt wieder eine nette Abwechslung.
Das Publikum überwiegend Familien und Ältere, also Leute wie ich. Kein Ort für Ballermänner und -frauen. (Ich kenne aber auch Lloret de Mar aus meinen Sturm- und Drangzeiten :-) ).
Die Lokalauswahl ist entsprechend groß, sodass ich einen Abend in einer großen, aber gut organisierten Pizzeria ein I a Nudelgericht gegessen habe und am anderen Abend in einem Edelhotel mit
Meerblick und Sonnenuntergang und einer gegrillten Fischplatte.
              
              Grado römische Überreste
                                                                                                                
                               Grado Altstadtblick auf Basilika                                                                                                                                     
     


10. Tag:  Grado - Cervignano 20 km - Trevisio per Zug

Meine Entscheidung, in Grado keine weiteren Badetag anzuhängen, erwies sich als goldrichtig. In der Nacht hatte es einen heftigen Wetterumschwung gegeben mit der Folge, dass es praktisch in ganz Norditalien von morgens bis zum späten Nachmittag sehr heftig durchregnete. Also Regencape über und dann bei Sturmregen über den Damm zurück auf´s Festland bis Cervignano. Unterwegs überholte ich eine Gruppe italienischer Radler, die ausrüstungsmäßig gar nicht auf Regen eingestellt waren und ent- sprechend durchnässt waren. Kurz entschlossen fuhr ich in Cervignano zum Bahnhof und traf dort im Buffet neben der italienischen Radlergruppe auch ein nettes deutsches Ehepaar, das den Alpe-Adria-Radweg von Salzburg klassisch durch die Tauernschleuse gefahren war. Am beeindruckendsten an den Beiden war der auch bei ihr kleine Rad-koffer, der etwa die Größe eines Kosmetikkoffers hatte. Bei Frauen sieht man eine derart konsequente Gepäckreduzierung wirklich selten :-) . Jedenfalls war ich an diesem Tag nicht der einzige Radler, der keine Lust hatte, bei Dauerregen mit dem Fahrrad durch die Lande zu radeln. Die italienische Eisenbahn ist auch sehr günstig.
Die Strecke nach Trevisio,  ca. 100 km, kostete inklusive Fahrrad gerade mal € 14,00. In Trevisio (15) angekommen, hörte es sogar zu regnen auf, kurz nachdem ich aus den Katakomben des Bahnhofs an`s Tageslicht zurückgekehrt war. Interessant war, dass die Stadt an diesem Samstagnachmittag zunächst wie ausgestorben schien.

Etwas Probleme machte die Hotelsuche. Ich bin einige Male durch die wieder mal sehr schöne Altstadt gegondelt, bis mir ein freundlicher Polizist den Weg zum Hotel il Foccolare wies. Das Hotel liegt ziemlich versteckt unter Arkaden aber zentral hinter der Piazza dei Signori, kostete € 70,00 und war damit meine teuerste Unterkunft.
Es war aber auch alles vom Feinsten, dabei sehr gemütlich und im venezianischen Stil eingerichtet.

Tja übrigens ausgestorben. Nach der üblichen Renovation unter der Dusche ging es auf in die Stadt. Die Sonne war hervorgekommen und sofort war die Stadt voll mit Menschen. Auch diese Stadt hat einen sehenswerten Altstadtkern und Ringwall. Außerdem wird Sie von einigen Kanälen durchzogen, die früher sowohl stadthygienische als auch wasserkrafttechnische Gründe gehabt haben dürften.
Im Dom fand eine Hochzeit statt und sowohl die Braut als auch einige der Gäste waren durch aus ansehnlich.

Abends gab es dann in einer Pizzeria an der Piazza del Signori eine leckere Pizza, einen Roten, zum Nachtisch ein Eis und viel italienisches Straßenleben.


                                         Trevisio                                                                                                                                                                                        Trevisio Stadtwall

 

11. Tag:  Trevisio - Caldonazzo 130 km

Der Start in Treviso war recht vielversprechend, sprich sonnig. Über den Bergen vor mir brauten sich Wolken zusammen, die mich nichts Gutes ahnen ließen. Tatsächlich wanderten die Wolken dann aber auch im Gebirge ständig vor mir her und so blieb es bis zum Abend doch tatsächlich trocken, ja sogar größtenteils sonnig! Mein Zwischenziel war Bassano del Grappa als Eingangstor zum Val Sugana, also dem Brentatal durch die Berge. Einen offiziellen Radweg gibt es hier nicht, also habe ich wieder mal improvisiert.
Man sucht sich die Ausfallstraße S 348 Richtung Montebelluna und radelt auf dieser Straße bis Postioma. Auch wenn das auf der Karte nicht so richtig erkennbar ist, reiht sich entlang dieser Straße fast ein Dorf an das andere mit der Folge, dass es in den Bereichen der Dörfer häufig Radwege oder kombinierte Rad-/Fußwege gibt. Man kommt auf diese Weise auch ohne offiziellen Radweg recht ungeschoren bis Postioma. Dort fährt man ziemlich weit rein in den Ort, um dann nach links auf die Via Postumia Richtung Castelfranco abzubiegen. Dieser schnurgeraden Straße, vermutlich eine ehemalige Römerstraße, folgt man bis Castelfranco (142).
Wie der Name schon vermuten lässt, hat der Ort eine schöne Altstadt mit einer Burg. Auf dem Hauptplatz der Stadt gönnte ich mir ein Cappucinopäuschen. Dann ging es weiter über Castello, Rossano und Cassola nach Bassano del Grappa (130). Die Einfahrt bis ins Zentrum ist etwas irreführend. Trotzdem einfach der Beschilderung folgen. Bassano del Grappa hatte ich bereits während meiner früheren Rückfahrt aus Kroatien im Jahr 2005, siehe Brenner-Porec-Venedig-Innsbruck 2005, kennengelernt...
....dachte ich!!

Tatsächlich hatte ich zwar schon damals die berühmte Ponte Alpini gesehen, die oberhalb der Brücke liegende Altstadt jedoch völlig übersehen!

Dieses Mal traf ich mehr oder weniger zufällig direkt auf die Stadtmauer und die oben am Berg liegende Altstadt, die wieder einmal echt sehenswert war. Also! Nicht einfach vorbeiradeln! Da ich aber noch weiterfahren wollte, verließ ich die Altstadt über die völlig von Touristen überlaufene Ponte Alpini um, flußaufwärts gesehen auf der linken Flußseite, auf einer Neben-straße zum Lago di Caldonazzo zu fahren. Hierbei durchquert man Örtchen wie z.B. Campese und Campolongo und passierte das auf der anderen Flußseite liegende Cismo. Kurz darauf wechselt das Sträßchen die Flußseite, man bleibt aber weiter auf der linken Seite, denn ab hier beginnt ein eigener Radweg. Dieser führt nun durch das ganze Brentatal bzw. Val Sugana sanft ansteigend vorbei an Grigno und über Borgo nach Caldonazzo oberhalb des gleichnamigen Sees.
Die Berge wachsen fast während der gesamten Tour beinahe neben einem senkrecht aus dem Boden und entsprechend beeindruckend ist das Panorama. Unten rauscht die Brenta an einem vorbei und man kann dort  Wildwasserfahrer, einzeln oder in größeren Booten auf dem Fluß bewundern, die mit viel Freude den Fluß hinabfahren.

                                                                                                                                                                                                                    Bassano del Grappa Ponte Alpini

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   

     
                               Brentatal                                                                Rafting auf der Brenta


2005, anläßlich meiner ersten Tour durch das Brentatal, musste ich feststellen, dass in Borgo kein Hotel auffindbar war. Deshalb hatte ich dieses Jahr vor vorneherein Caldonazzo als Tagesziel eingeplant. Inzwischen führt der Radweg aber durch Borgo, ein Städtchen mit Burg am Berghang, und an der Ortsdurchfahrt befindet sich ein Schild mit etwa 5 Übernachtungsmöglichkeiten. Etwa ab Borgo wird das Brentatal auch weiter und flacher und man ist quasi oben. Meine Tagesetappe endete dann in Caldonazzo (530). Dort fand ich eine preiswerte und ordentliche Unterkunft, ca. € 40,00 in einer Pizzeria in einer Seitenstraße in der Ortsmitte, deren Namen Albergo alla Torre  gewesen sein müsste.
 

12. Tag:  Caldonazzo - Bozen 103 km

Meine ursprüngliche Überlegung, in Caldonazzo einen weiteren Badetag einzulegen erledigte sich bei einem kurzen Gang vor die Hoteltür. Der Himmel war mal wieder grau und es herrschte eine angenehme Radler- aber eben keine Badetemperatur. So folgte ich dem Radweg Richtung Trient und landet zunächst in Pergine. Mit viel Glück findet man den Radweg aus der Stadt raus, oder eben auch nicht. Ich hatte den Weg verloren und suchte auf eigene Faust den Weg nach Trient. Grundsätzlich muss man sich rechts halten und über den Berg durch die Örtchen Vigilzano und Villa Montagna kraxeln, bevor es dann irgendwie den Berg runter auf einer Nebenstraße runter nach Trient (194) geht. Bei meiner letzten Tour 2005 hatte das irgendwie besser geklappt. Ich kam zwar auch diesmal in Trient an, habe aber noch einige Bergdörfer mehr durchfahren!
Nun ja: Der Weg ist das Ziel bei Radtouren :-) .
Trient, man muss es fast nicht mehr betonen, ist äußerst sehenswert. Die Stadt hat neben vielen historischen Sehenswürdigkeiten wie z.B. das Castello Buonconsiglio inzwischen auch ein sehr modernes, neues, mehrsprachiges Museum namens MUSE (Museo delle Scienze) und ist mindestens einen Tagesaufenthalt wert. Da ich die Stadt von früher kannte, machte ich lediglich ein Cappucinopäuschen auf dem Domplatz, bevor ich den Etschradweg an der Etsch aufsuchte und weiter Richtung Bozen radelte.
                  

                                       
                                            Trient Dom                                                          Trient Castello Buonconsiglio

Der Radweg geht meistens auf dem Hochwasserdamm an der Etsch lang und ist daher, trotz weiterhin vorhandenen Bergpanoramas etwas eintönig. Da ich die Strecke dieses Jahr schon zum dritten Mal fuhr, beschloss ich, den Radweg bei Egna zu verlassen, nach Tramin zu fahren und von dort aus weiter zum Kalterer See. Weinkennern muss ich nicht weiter sagen, wo ich mich damit befand. Der Weg führt teilweise über eine ziemlich befahrenen Landstraße, die man noch vor Kaltern am unteren Seeende verlässt.
Der Weg führt dann rechts bzw. östlich des Sees entlang und geht dann durch die Weinberge den Hang hinauf. Kaltern selbst läßt man linkerhand liegen und orientiert sich an den Radwegschildern Richtung Bozen bzw. Eppan. Auf diese Weise stieß ich eher zufällig auf eine stillgelegte und zum Radweg umgebaute Eisenbahntrasse, die dann sehr schön bergab bis nach Bozen bzw. zurück zum Etschtalradweg führt. Dort dann aber nicht den ersten Schildern Richtung Bozen folgen, sondern auf dem Radweg bleiben, bis man das Freibad passiert hat und dann erst rein in die Stadt. Ich bin den Schildern gefolgt und fuhr dann kamikazeartig durch bzw. gegen den Bozener Feierabendverkehr in die Innenstadt. Bozen hat in zentraler Lage kurz nach dem Bahnhof eine nagelneue Jugendherberge, in der ich für € 30,00 ein Einzelzimmer mit eigener Dusche/WC bekam.

Ach ja, das Wetter: Wolkig bis heiter, kein Regen!
 

13. Tag:  Bozen Besichtigung 0 km

In Bozen war ich zwar schon mehrere Male. Aber entweder war das schon sehr lange her (1965) oder nur kurz und auf das "Ötzi-Museum" beschränkt. Bozen selbst wurde in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach dem Anschluss Südtirols an Italien ethnisch nicht gesäubert sondern italienisiert, indem dort zusätzliche Industrie angesiedelt wurde und italienische Arbeiter nach Bozen geholt wurden. Auf diese Art ist Bozen heute nur zu rund 25 % deutsch bzw. südtirolerisch, zu 74 % italienisch und zu 0,7 % ladinisch. Auf der anderen Seite des Flusses Talfer steht ein italienischer Triumphbogen, in dessen Sockelgeschoss sich eine sehr gut gemachte, dreisprachige Ausstel-lung zur Geschichte des Denkmals und zur Italienisierung Südtirols befindet. Die Italiener haben nicht die Unsitte, ihre teilweise ja auch durchwachsene Geschichte hinterher einfach wegzusprengen. Hin und wieder wirkt das zwar auch etwas befremdlich, insbesondere die recht heroischen Kriegerdenkmäler, aber auch darüber kann man dann ja nachdenken.
Im übrigen machte ich in der an diesen Tag völlig überfüllten Bozener Innenstadt eine Stadtführung mit, die sehr katholisch war, also hauptsächlich durch Kirchen und Klöster ging. Den Rest des Tages genehmigte ich mir zur freien Verfügung. Die Bozener Gastronomie ist aufgrund der Doppelkultur reichhaltig und abwechslungsreich.

                                                       
                                      Bozen Dom                                                                   Bozen Laubengasse                                                         Bozen Siegesdenkmal

 

14. Tag:  Bozen - Laas  83 km

Man glaubte es kaum, aber dies war noch einmal der Beginn zweier durchgehend sonniger Tage mit Frühsommertemperaturen. Zunächst ging es zurück auf den Etschradweg Richtung Trient. Die Abzweigung Richtung Meran ist ausgeschildert. Es kommt eine Stelle an einer Etschbrücke, an der man sowohl rechts entlang des Ufers als auch über die Brücke nach Meran geleitet wird. Das ist etwas irritierend. Ich habe dann den Weg über die Brücke gewählt. Man fährt zunächst ein Stück auf der ehemaligen Eisenbahntrasse bergauf Richtung Eppan. Kurz darauf kommt dann jedoch die Abzweigung nach Meran zurück ans Ufer der Etsch. Der gut ausgebaute Radweg führt nun in der Regel zwischen Etsch und Eisenbahnlinie bis Meran (325). Meran ist ein Kur- und Badeort seit KuK-Zeiten. Kaiserin Elisabeth, genannt Sissi, hielt sich dort auf Schloss Trautmannsdorf öfters auf und hat damit den Badeort prominent und beliebt gemacht. Zum Dank hat man ihr am Ufer der Passer ein Denkmal gesetzt.


Meran hat neben der Kurpromenade entlang der Passer auch eine schöne Innenstadt und eine große Therme. Wer also noch nie dort war, kann dort gut einen Zwischenstopp einlegen. Ich selbst habe am Ufer der Passer eine Mittagspause gemacht, um dann dem Fluß flußabwärts zu folgen und so automatisch wieder auf dem Etschradweg Richtung Reschenpass zu stoßen.

Das Tal wird nun enger und kurz vor Töll bzw. Partschins steigt der Radweg steil an und geht in Serpentinen nach oben, die bei dem Wasserkraftwerk in Töll enden. Dort rauscht und nebelt es recht gewaltig und ein Schild informiert einen darüber, dass ein gewisser Peter Mitterhofer bereits 1864-1866 drei Schreibmaschinen entwickelte

                
                        Meran Kurhaus                                                           Meran Sissidenkmal                                

und mit dem sogenannten "Wiener Modell"  erfolglos nach Wien zu Kaiser Franz Joseph ging, um dort um finanzielle Unterstützung für die Entwicklung der Maschine zur Serienreife zu bitten. Leider nahm man die Tragweite seiner Erfindung nicht wahr und er kehrte unverrichteter Dinge nach Partschins zurück. Parallel wurde die Schreib- maschine auch in den USA entwickelt und dort zur Serienreife gebracht. So kann es gehen!

Nach dem Aufstieg ins Vinschgau ging es nun wieder gemütlich entlang der Etsch weiter. In Galasaun machte ich an einem dortigen, kleinen See eine Badepause.
Einige Kinder, die dort angelten, informierten mich allerdings darüber, dass dies kein Badesee sei. Nun ja, ob die dort angeln durften, wollte ich auch nicht näher geprüft haben!
Der Vinschgau ist ein relativ breites Hochtal mit sehenswertem Bergpanorama, vielen Burgen und noch mehr Apfelplantagen. Auffällig waren die vielen entgegenkommenden Radler, die in der Regel von Bozen bis Malsch mit der Bahn gefahren waren, um dann gemütlich talabwärts zu rollen. Immerhin hatten diese Rückenwind, während mir bei strahlenden Sonnenschein ein stetiger Wind entgegenblies. An einem Radlerstop traf ich übrigens einen sportlichen, 42-jährigen Amerikaner, der den Ehrgeiz hatte, in zwei Wochen möglichst alle Pässe in Südtirol abzufahren. Respekt! Andererseits, wer´s mag... 
Am Abend kam ich dann in Laas (869) an und hätte trotz vorhandener Unterkünfte beinahe kein Zimmer bekommen. Es klappte dann aber doch und ich bekam ein Privat- zimmer mit Dusche/WC für € 24,00. In dortigen Gasthof zur Sonne in der Ortsmitte speiste ich übrigens vorzüglich! Die selbstgemachten mit Kalbfleisch gefüllten Teigtaschen in einer Pfifferlingsrahmsoße waren so lecker, dass ich zum "Nachtisch" ebenso leckere Hirtenmakkaroni in einer selbstgemachten Bolognesesauce verspeiste. Das war mit Abstand das beste Lokal auf meiner ganzen Reise.
 

15. Tag:  Laas - Reschenpass - Imst  122 km 

Am nächsten Tag sollte es also hoch zum Reschenpass gehen. Der Gegenwind des Vortages war eingeschlafen und so war völlig entspanntes Radfahren bei schönstem Sonnenschein angesagt. Der Weg geht, mit Ausnahme eines Schlenkers über Prad in der Regel auf nach wie vor gut ausgebauter Strecke weiter entlang der Etsch.
In Glurns (920) lohnt sich ein Besichtigung des mittelalterlichen Städtchens mit Mauerring. Nach Mals (1051), an dem man vorbeifährt, geht es dann kräftiger bergauf, zunächst bis Burgeis (1216) und schließlich zum Reschensee (1498). Das Wetter war wie gesagt sonnig und die Landschaft dadurch bedingt doch bedeutend schöner als bei grauem Himmel. Am Reschensee musste natürlich der bekannte, aus dem See herausragende Kirchturm der im Stausee versunkenen, früheren alten Gemeinde Graun foto-grafiert werden und dann gab es am Seeufer erst mal eine Mittagspause. Der eigentliche Reschenpass (1508) wird recht unspektakulär passiert und dann geht´s rasant berg-ab. Der Akku hat die Bergfahrt übrigens prima mitgemacht. 

                              
                        Bergpanorama bei Prad                                                                Burgeis                                                                  Reschensee, Kirchturm Altgraun


Bis Nauders (1394) fuhr ich weiter auf dem Radweg. In Nauders verlor ich den Radweg und warf einen Blick auf die Bundesstraße Richtung Landeck, die nicht sehr befahren war. Also nix wie rauf auf die Bundesstraße und dann mit viel Freude und Tempo, durch ein zwei Tunnels bzw. Galerien runter bis zum Inn bzw. der dortigen Kajetansbrücke. Bergauf würde ich das allerdings nicht machen. Da bliebe wohl nur der Umweg über die Schweiz und die Passstraße von Martina nach Nauders.
Kurz nach der Innüberquerung kommt die Abzweigung nach Pfunds (970). Von meiner Radtour 2010 wusste ich, dass der Ort ein Schwimmbad hat. Also nix wie hin und eine Bade- und Cappucinopause eingelegt. Nebenbei wurde der Akku etwas nachgeladen. Das Badewasser hatten die dort wohl direkt aus dem Inn abgeleitet (nur Spass, liebe Pfundser :-) !). Es war jedenfalls sehr erfrischend und wir waren Alles in Allem bei schönstem Sonnenschein nur ca. 15 Leute im Freibad.

So erfrischt ging es weiter auf dem hervorragenden Inntalradweg über Landeck bis nach Imst, welches ich in der Abenddämmerung erreichte. Imst liegt am Berg und bei der Auffahrt zur Innenstadt gab mein Akku den Geist auf. Mein früheres Hotel in der Stadt fand ich auf die Schnelle nicht mehr. Das Hotel, in dem ich dann für € 45,00 im Zentrum gut übernachtet habe, finde ich leider nicht mehr im Internet.
 

16. Tag:  Imst - Fernpass - Roßhaupten  83 km 

Am nächsten Tag stand der Fernpass an, ein Erlebnis besonderer Art und Güte! Zunächst verließ ich Imst auf der Ausfallstraße Richtung Tarrenz. Dort trifft man dann auch auf die Rad wegweiser nach Nassereith. Der Weg führt dann unterhalb von Tarrenz an die rechte Hanglage des Gurgelbachtals durch den Wald. Man passiert ein Schaubergwerk und landet nach einigen Kilometern dann tatsächlich in Nassereith (838). Als Autofahrer kennt man den Ort nicht, sondern nur die an der Bundesstraße gelegene große Tank-stelle bzw. Raststätte.
Der Radweg von Nassereith bis zum Campingplatz Fernsteinsee bzw. Schloss Fernsteinsee war dann noch in Ordnung. Wenn man das Schloss passiert hat, man befindet sich übrigens auf der Route der alten Claudia Augusta, wird es richtig abenteuerlich!

Die Strecke zwischen dem Schloss und dem Warnschild "Mountainbike-route Schiebstrecke" (nachträglich von oben fotografiert) ist so steil, dass dort nur geschoben werden kann bzw. sie mit Pedelec gerade noch bezwingbar ist. Der Untergrund ist geröllig und hangabwärts besteht keinerlei Absicherung, d.h. man kann im Fall eines Ausrutscher locker einige Meter abstürzen, bevor einen vielleicht ein Baum aufhält. Kein Privatmann dürfte einen solchen Weg für die Öffentlichkeit freigeben. Bis vor einiger Zeit gab es offiziell zwischen Nassereith und Biberwier auch keinen Radweg. Irgendwelche interessierten tiroler Kreise meinten offenbar, an einen Wander- bzw. allenfalls Mountainbikeweg Radweg- schilder hinmontieren zu können, ohne Rücksicht auf tatsächliche Befahrbarkeit oder Sicherheitsgesichtspunkte!
So nicht liebe Tiroler!

                  
                    Schloss Fernsteinsee
                                                                                                                                                                      Steilstück Fernpass

Jeder Skiliftbetreiber haftet in Österreich ohne Verschulden, wenn ihm jemand aus dem Lift fliegt, aber die öffentliche Hand meint, sich so etwas erlauben zu können.
In dem genannten Wegstück gibt es eine Stelle, in der im Felsboden zwei Rillen zu erkennen sind, bei denen sich es sich noch um Spuren bzw. Radrillen der Römerstraße handeln dürfte. Jedenfalls werden zwischen Landeck und Imst, an einer anderen Stelle der Via Claudia, entsprechende Vermutungen auf einem Hinweisschild angestellt. 

Nach dem besagten Steilstück geht es auf einem Waldweg noch ein Stück bergauf, bis man die höchste Stelle (ca. 1212 m) erreicht hat, bergab rollt und auf die bergaufwärts führende Fernpassbundesstraße, wohl kurz unterhalb des Passes trifft. Die Straße hatte erheblichen Verkehr und keinen Standstreifen. Die Bundesstraße wäre also sicher keine Alternativroute. Auf der anderen Seite geht es auf einem Waldweg nochmals kurz bergauf und dann nur noch bergab, und zwar recht steil. Meines Erachtens ist auch dieses Stück des sogenannten "Fernpassradwegs" nicht als Radweg, sondern als versuchte Irreführung zu bezeichnen. Radwege, die man nicht mit durchschnittlicher Kon-dition und Tourenrad befahren kann, sind eben bestenfalls Mountainbikestrecken, mehr aber nicht.


Schon bei der Fahrt bergab blickt man auf das Zugspitzmassiv, und passiert den schön im Wald gelegenen Weißensee, an dem sich einige neugierige Enten aufhielten, die offenbar Touristen gewohnt waren.
Kurz darauf gelangt man auf der alten Fernpassstraße nach Biberwier, der ich bis Lermoos folgte. Dort machte ich in einem Gasthof meine Mittagspause und lud den Akku etwas nach, der durch den extrem steilen Aufstieg zum Fernpass, obwohl nur ca. 400 hm., doch ziemlich leer war. Während der Mittagspause regnete es mal kurz, hörte vor der Weiterfahrt dann aber wieder auf.

Man fährt dann auf der Ortsstraße aus Leermoos raus und gelangt auto- matisch auf den Radweg nach Reutte, der einen durch ein schönes Hoch- tal über Bichelbach und Heiterwang zum Abstieg ins Lechtal über die Ehrenberger Klause führt.                                   
                                                                                                                                                Zugspitzmassiv
                                                          Weißenseeenten

Die Ehrenberger Klause ist wieder mal ein typisches Beispiel dafür, dass man mit dem Auto immer nur einen Teil der Welt, in diesem Fall die auf dem Berg gelegene Burgruine von der Fernpassbundesstraße aus sieht.

Interessant wird das Ganze erst, wenn man beim Durchradeln der Sperre bzw. Klause im Tal feststellt, dass die Burgen am Berg einst Mauern bis zur Klause im Tal hatten und damit das ganze Tal zwischen Reute und Fernpass gesperrt wurde, um mal wieder bequem Zölle zu kassieren. Bauherr der zwischen 1482 und 1485 erstmals vollständig errichteten Sperranlage
im Auftrag eines lokalen Landesfürsten war der Augsburger Kaufmann Georg Gossenbrot, der Ehrenberg als Pfand hielt.
Man sieht, nicht nur die Fugger finanzierten damals den Adel.

In Reutte (853) gab es einen kurzen Kaffeestop bei dem Bruder einer guten Bekannten aus Studienzeiten, der dort als Banker tätig ist und aus dem Augsburg-Schwäbi-schen Raum stammt.

Weiter ging es dann auf dem Radweg, meistens in Lechnähe nach Füssen. Man passiert dort den Lechfall, eine beeindruckende Klamm und gelangt dann in die Füssener Altstadt.

                      
                  Ehrenberger Klause

                                                                                      

Da ich Füssen (803) von früheren Besuchen gut kenne, fuhr ich weiter zum Forggen-see und um diesen ein wenig herum bis Osterreinen. Dort genoss ich die Abend-dämmerung und den herrlichen Blick auf den See und das Alpenpanorama.
Der Forggensee ist übrigens ein künstlicher Stausee, der 1954 geflutet wurde und in dem auch das namensgebende Dorf Forggen versank.
Der See dient der Stromerzeugung, sowie als sogenannter Kopfspeicher der Niedrig-wassererhöhung der lechabwärts gelegenen Wasserkraftwerke und der Hochwasser-regulierung des Lechs nach Einsetzen der Schneeschmelze. Deshalb wird der See im Oktober regelmäßig abgelassen und ist nur vom 1. Juni bis 15. Oktober voll aufge-staut.
                                                                                                                                                                                                                                                                                   
                                                                                                                                                                  Schloss Füssen                                                               Lechfall
 

Es dämmerte schon, als ich Roßhaupten (816) erreichte und im dortigen Landgasthof Schwägele ein schönes Zimmer für € 46,00 (?) erhielt und gut bayerisch in der sehr gemütlichen Gaststube zu Abend aß.

Ach ja, das Wetter: Heiter bis wolkig und der schon erwähnte, kurze Regenversuch in Lermoos.

 

17. Tag: Roßhaupten - Krumbach  112 km 

Ursprünglich hatte ich vor, die mir von einer früheren Tour schon bekannte Strecke via Marktoberdorf und Ottobeuren Richtung Memmingen an die Iller zu radeln.
Zunächst verließ ich Roßhaupten auch Richtung Halblech, um dort nach der Unterführung auf den Radweg Richtung Marktoberdorf abzubiegen und diesem auch bis Marktoberdorf (758) zu folgen. Ab dort hieß es wieder improvisieren, also weiter auf Nebenstraßen über Ruderatshofen und Aitrang nach Günzach. Im letztgenannten Ort befindet sich ein Hinweisschild zur nahegelegenen Günzquelle. Dies brachte mich auf die Idee, statt weiter Richtung Memmingen - ich fahre ungern zweimal dieselbe Strecke - das Günztal flußabwärts zu fahren und siehe da: Es gibt einen ordentlich ausgeschilderten Günztalradweg Richtung Günzburg. Dieser ist im oberen Teil richtig idyllisch. Die Günz darf hier auch noch öfters mäandern und an einer Wassermühle kommt man bei Ronsberg (?) auch noch vorbei.
Nach einer Mittagspause ging es weiter durch das Günztal über Markt Rettenbach nach Babenhausen. Dort befindet sich ein Fuggerschloss und es gab ein Eis- und Kaffeepäuschen. In Deisenhausen verließ ich dann das Günztal, da die Wahrschein-lichkeit zu beginnender Abendstunde noch ein Zimmer zu finden, in Krumbach doch deutlich höher erschien als mitten in der freien Landsschaft. So war es dann auch.
Im Gasthof Traubenbräu am Marktplatz fand ich für ca. € 30,00 ein gemütliches Zimmer und eine hervorragende schwäbische Speisekarte. Ich gönnte mir eine gemischte Platte mit Leberknödel und Kotelett auf Kraut und dazu ein süffiges, braunes Bier. Das ganze in der Abendsonne im Biergarten. Was will man mehr?
              
                 
                        Liebenthanmühle


Entgegen der Erfahrung früherer Radtouren kam ich trotzdem mit dem gleichen Gewicht nach Hause, mit dem ich gestartet war :-) !

Das Wetter war übrigens den ganzen Tag schön sonnig!
                                                                                                                                                                                                                                  Fuggerschloss Babenhausen
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        
                                                                                                                                                                                                        
18. Tag: Krumbach - Ulm 43 km 

Der heutige Tag war sollte mein Rekordregentag werden, es regnete nämlich nur einmal und zwar am Stück von morgens bis abends. Eigentlich hätte ich noch zwei Tage länger unterwegs sein können. So aber stellte sich nur die Frage, ob ich den nächsten Bahnhof in Günzburg (30 km) ansteuern sollte, oder den in Ulm (43 km).
So oder so nass dachte ich mir und beschloss, zurück nach Deisenhausen und dann über Weißenhorn, Senden und Neu-Ulm nach Ulm (478) zu radeln.
Trotz Regenkleidung kam ich ziemlich durchfeuchtet am Ulmer Hauptbahnhof an, habe mir dort teilweise trockene Sachen angezogen und die Fahrkarte nach Göppingen gekauft. Dort ausgestiegen fuhr ich die letzten 5 km nach Hause abschließend unverdrossen mit der Aussicht auf ein warmes Zuhause nochmals durch den Regen.

Das war mein Bericht meiner großen Tour 2014, die mir viel Freude gemacht hat.


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Weitere Radtourenberichte auf: Meine Radtouren
                                                               

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